ZEITVARIABLE NETZENTGELTE

 Zeitvariable Netzentgelte einfach erklärt: Ziel, Funktion und § 14a

Die Energiewende verändert nicht nur die Art der Stromerzeugung, sondern auch die Nutzung der Stromnetze. Mit dem Ausbau von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Elektroautos steigen auch die Anforderungen an die Infrastruktur. Um Stromnetze effizienter zu nutzen und Lastspitzen zu vermeiden, werden künftig verstärkt zeitvariable Netzentgelte eingesetzt.

Für Betreiber einer Photovoltaikanlage, eines Stromspeichers, einer Wallbox oder einer Wärmepumpe ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten, Stromkosten zu senken und den Eigenverbrauch zu optimieren.

Eine Photovoltaikanlage produziert kostenlosen Solarstrom direkt auf Deinem Dach. Eine Wärmepumpe nutzt genau diesen Strom, um Dein Zuhause effizient zu heizen oder zu kühlen. Wenn Du beides kombinierst, nutzt Du Deinen selbst erzeugten Strom optimal und machst Dich unabhängiger von Energieversorgern. Diese Kombination ist nicht nur kosteneffizient, sondern auch zukunftssicher, da sie komplett auf erneuerbare Energien setzt.

Kurz erklärt: Was sind zeitvariable Netzentgelte?

Zeitvariable Netzentgelte sind variable Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes. Die Höhe der Netzentgelte richtet sich nach der Tageszeit und der aktuellen Auslastung des Stromnetzes. Wer Strom dann verbraucht, wenn das Netz wenig belastet ist, kann von niedrigeren Netzentgelten profitieren und dadurch seine Stromkosten reduzieren.

Voraussetzung für die Nutzung zeitvariabler Netzentgelte ist in der Regel ein ein intelligentes Messsystem (iMSys).

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Wärmepumpe mit Photovoltaik betreiben: Nutze Deinen eigenen Solarstrom und senke so nachhaltig Deine Strom- und Heizkosten.
  • Maximale Effizienz: PV-Anlage und Wärmepumpe ergänzen sich perfekt und steigern Deinen Eigenverbrauch.
  • Attraktive Förderungen: Staatliche Zuschüsse wie BAFA und KfW machen die Investition noch rentabler.
  • 100 % erneuerbare Energie: Heize klimafreundlich und unabhängig von steigenden Energiepreisen.

Netzentgelte: Definition

Photovoltaik und Wärmepumpe: Vorteile

Netzentgelte, auch Netznutzungsentgelte genannt, sind Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. Sie finanzieren den Betrieb, die Wartung, die Modernisierung und den Ausbau der Strominfrastruktur in Deutschland.
Jeder Stromkunde zahlt Netzentgelte als Bestandteil seines Strompreises. Die Höhe der Entgelte wird von den jeweiligen Netzbetreibern erhoben und durch die Bundesnetzagentur reguliert.

Bisher waren Netzentgelte für private Haushalte in der Regel unabhängig von Tageszeit oder Netzbelastung. Mit den neuen zeitvariablen Modellen ändert sich dieses Prinzip.

Warum werden zeitvariable Netzentgelte eingeführt?

Photovoltaik und Wärmepumpe: Vorteile

Die Zahl der Photovoltaikanlagen, Elektroautos und Wärmepumpen wächst kontinuierlich. Gleichzeitig wird immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Dadurch entstehen Zeiten mit hoher Stromerzeugung und Zeiten mit hoher Stromnachfrage. Besonders in den Abendstunden kommt es häufig zu Lastspitzen, die die Stromnetze belasten.

Zeitvariable Netzentgelte sollen dabei helfen,

  • Stromnetze effizienter zu nutzen,
  • Lastspitzen zu reduzieren,
  • den Netzausbau zu entlasten,
  • erneuerbare Energien besser zu integrieren,
  • Stromverbrauch flexibler zu gestalten.

Wie funktionieren zeitvariable Netzentgelte?

Die Grundlage für zeitvariable Netzentgelte bildet ein iMSys (intelligentes Messsystem). Dieses intelligente Messsystem erfasst den Stromverbrauch zeitgenau und ermöglicht die Zuordnung zu unterschiedlichen Tarifzeiten.

Die Netzbetreiber definieren dabei verschiedene Zeitfenster mit unterschiedlichen Netzentgelten. Verbraucher können ihren Stromverbrauch gezielt in günstige Zeiten verschieben und dadurch Kosten sparen.

Besonders geeignet sind Geräte, deren Betrieb zeitlich flexibel gestaltet werden kann:

  • Wallboxen für Elektroautos
  • Wärmepumpen ↗
  • Stromspeicher
  • Haushaltsgeräte mit Zeitsteuerung

§ 14a und zeitvariable Netzentgelte

Wer einen dynamischen Stromtarif ↗ nutzt und über steuerbare Verbrauchseinrichtungen verfügt, fällt grundsätzlich unter die Regelungen des § 14a EnWG. Damit schafft der Gesetzgeber die Grundlage, Stromnetze künftig effizienter zu steuern und gleichzeitig finanzielle Anreize für netzdienliches Verhalten zu setzen.

Für die Entlastung bei den Netzentgelten stehen verschiedene Modelle zur Verfügung:

Modul 1 (§ 14a EnWG): Das Standardmodell. Verbraucher erhalten eine pauschale Reduzierung der Netzentgelte, deren Höhe vom jeweiligen Netzgebiet abhängt.

Modul 2 (§ 14a EnWG): Hier werden die Netzentgelte auf den verbrauchten Strom prozentual reduziert. Voraussetzung ist ein separater Zählpunkt für die steuerbare Verbrauchseinrichtung.

Modul 3 (§ 14a EnWG): Dieses Anreizmodul kann nur in Kombination mit Modul 1 genutzt werden und führt zeitvariable Netzentgelte ein. Die Höhe der Netzentgelte variiert je nach Tageszeit und Netzbelastung. Wer seinen Stromverbrauch in günstige Zeitfenster verlagert, kann dadurch zusätzlich sparen.

Wer profitiert von zeitvariablen Netzentgelten?

Von zeitvariablen Netzentgelten profitieren vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihren Stromverbrauch flexibel an Zeiten mit geringerer Netzbelastung anpassen können.

Von zeitvariablen Netzentgelten profitieren:

  • Haushalte mit einem insgesamt höheren Stromverbrauch
  • Menschen, die ihren Stromverbrauch bewusst steuern können
  • Verbraucher mit digitaler Messtechnik (iMSys, Vorraussetzung!)
  • Personen, die sich aktiv mit ihrem Energieverbrauch beschäftigen und bereit sind, ihr Nutzungsverhalten anzupassen

Dynamische Stromtarife ↗ und zeitvariable Netzentgelte: Der Unterschied

MerkmalDynamischer StromtarifZeitvariables Netzentgelt
BetrifftStrompreisNetzgebühr
GrundlageBörsenstrompreisNetzauslastung
iMSys erforderlich (nicht mit Smart Meter zu verwechseln) JaJa
Kombination möglichJaJa

Häufige Fragen zu zeitvariablen Netzentgelten

Ab wann gelten zeitvariable Netzentgelte?

Netzbetreiber müssen entsprechende Modelle anbieten. Die konkrete Ausgestaltung und Verfügbarkeit können jedoch regional unterschiedlich sein.

Brauche ich ein intelligentes Messsystem?

Ja. Ohne intelligentes Messsystem (iMSys) können zeitvariable Netzentgelte in der Regel nicht abgerechnet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Smart Meter und iMSys (intelligenten Messsystem)?

Auch wenn die Begriffe Smart Meter und iMSys oft als Synonym verwendet werden, ist ein Smart Meter die reine Messeinrichtung (der digitale Zähler), während das iMSys das verbundene System aus Zähler und Kommunikationseinheit ist. Daher handelt es sich um zwei verschiedene Einheiten.

Brauche ich ein Energiemanagementsystem?

Nein. Auch wenn die Technik des Netzbetreibers ausreicht, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, ist der Einsatz von intelligentem Energiemanagement empfehlenswert, um die maximalen Kostenvorteile auszuschöpfen.

Lohnt sich ein Stromspeicher künftig noch mehr?

Ja. Durch die zunehmende Flexibilisierung des Strommarktes steigt der Nutzen von Batteriespeichern weiter an.

Sind zeitvariable Netzentgelte verpflichtend?

Nein. Sie stellen zunächst ein zusätzliches Tarifmodell dar, das Verbraucher freiwillig nutzen können.